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08.09.2021

Stellungnahme der SLV NRW zur aktuellen Schulsituation

Foto: Unsplash / AbsolutVision (@freegraphictoday)

Der Traum begleitet die Schulministerin Frau Gebauer bereits seit einem Jahr.
Der Traum vom „normalen“ Schuljahr.

Um Träume wahr werden zu lassen, muss man sich mit den Hindernissen und Aufgaben auseinandersetzen statt sie zu negieren!

Stattdessen passiert … Nichts!
Seit Monaten findet keine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Raumsituation in den Schulen in Bezug auf Lüftungsmöglichkeiten statt. Die Frage nach dem gezielten Einsatz von Luftfilteranlagen ist mit Hinweis auf gerade passend erscheinende Studien immer wieder verdrängt worden. Gemeinsames Handeln mit den Schulträgern war an entscheidenden Stellen nicht festzustellen.

„Verantwortung wird immer wieder hin und her, vom MSB zum Schulträger, vom Schulträger zurück zum MSB, geschoben“ stellt Harald Willert, Vorsitzender der Schulleitungsvereinigung NRW, nach Monaten der Pandemie fest.

Dies zeigt auch die Arbeit der Gesundheitsämter vor Ort.
Das MSB und das Gesundheitsministerium gehen davon aus, dass die örtlichen Gesundheitsbehörden Ansteckungsverläufe nachverfolgen und Quarantäneentscheidungen zeitnah treffen. Dies gelingt nur, wenn die Zahl der Infektionen und der positiven Testungen gering ist. Bei steigenden Fallzahlen gerät das System ins Schwanken. Die notwendigen Schritte können bei so vielen positiv getesteten Fällen nicht zeitnah abgewickelt werden. Es fehlt Personal und Ressource!
Schon im Herbst und Winter 20/21 hat die Schulleitungsvereinigung NRW darauf hingewiesen, dass ein Großteil dieser Aufgabe, z.B. die zeitaufwendige Kontaktverfolgung, von den Schulleitungen des Landes NRW übernommen wurde. SLV NRW fragt daher: Ist das die Aufgaben von Schulleitungen?
Bereits jetzt, wenige Tage nach Schulstart, wurden in einigen Kommunen Schulleitungen aufgefordert, die Quarantäneentscheidungen auszusprechen und weiterzugeben.
Zudem sollen sie die Entscheidung treffen, wer Kontaktpersonen von Infizierten sind und ggfs. einschätzen, welche Zeiträume bezogen auf Symptomatik bzw. Abstrichentnahme relevant sind.

H. Willert, SLV NRW: „Damit übernimmt in der Realität die Schulleitung Aufgaben des Amtsarztes.“
Dagegen hat die SLV NRW vor Ort bei der Schulaufsicht interveniert und sich mit Erfolg gewehrt.
Die entsprechenden Anweisungen der Schulträger sind inzwischen revidiert.

 

Ein Traum bleibt für viele Schulen die versprochene finanzielle Unterstützung zur Bewältigung der Pandemiefolgen. Interessant ist der Name des Unterstützungsprogramms: “Aufholen nach Corona“!
Bildungsministerin Gebauers Traum scheint das Ende der Pandemie zu sein!
Die zugesagten Millionen kommen vielerorts nicht an.
„Die Personalausstattung in fast allen Schulformen ist inzwischen schon im Normalbetrieb unzureichend. Unter Pandemiebedingungen verschärft dieser Mangel die Situation in den betroffenen Schulen teilweise dramatisch“, so Willert.

Personalmangel in Verwaltung und Gesundheitsämtern hat zur Folge, dass vielerorts die zur Verfügung stehenden Gelder nicht abgerufen werden. Die Umsetzung für die Schulen erfolgt verzögert oder gar nicht.
Als Beispiel weist die SLV NRW auf die Entwicklung im digitalen Bereich hin: „Wir sind nicht überrascht, dass nach einer aktuellen Studie rund ein Drittel aller Schulen nach wie vor unzureichend mit digitalen Mitteln ausgestattet sind und nur für ein Fünftel der Schulen NRWs der Versorgungsstand als gut bezeichnet werden kann.“

Vor diesem Hintergrund und mit Blick auf die Pandemieentwicklung von „Schule nach Corona“ und „regulärem Schulbetrieb“ zu sprechen, verkennt völlig die Situation und ist eine Farce!

Es ist u.E. dringend erforderlich, dass sich alle Beteiligten offen und mit klarem Blick auf die Situation der Schulen, der Schülerinnen und Schüler, des pädagogischen Personals und der Schulleitungen stellen.
„Es hilft nicht die Augen zu schließen und auf die Rückkehr der Normalität zu hoffen.“

Schulen und Schulleitungen benötigen jetzt Unterstützung! Dringend! Für unsere Schülerinnen und Schüler, die unsere Zukunft sind!

 

Gez. Willert